Mit dem Wohnmobil durch Südschweden

Mein Herz schlägt für Schweden. Kein anderes Reiseland hat mich je so fasziniert wie die kleine roten Häuser und die Natur in Schweden. Dieses Jahr hatte ich Südschweden pur. Vier Wochen lang entdeckte ich zusammen mit meinem Freund und unserem über 40 Jahren alten Wohnmobil Karl-Heinz die Regionen zwischen Halmstadt, Jönköping, Linköping und Kalmar. Am Ende ging es sogar bis nach Öland. Der nachfolgende Bericht soll den Blick auf die Wälder und Seen abseits der großen Städte lenken. Ich möchte dabei nicht unbedingt viele Sehenswürdigkeiten aufzählen, die es zu besichtigen gilt, sondern lieber von den kleinen Abenteuern berichten, auf die man sich in Schweden einlassen sollte.

Jedermannsrecht

In Schweden gilt das allemansrätten, welches den Einheimischen und Besuchern viel Bewegungsfreiheit in der Natur einräumt. So ist es fast überall in der Natur erlaubt zu wandern, Rad zu fahren, Beeren oder Pilze für den persönlichen Bedarf zu sammeln oder für ein bis zwei Nächte mit dem Zelt zu übernachten und dabei sogar ein Lagerfeuer zu machen. Der oberste Grundsatz dabei lautet “Nicht stören und nichts zerstören”.

Wir waren allerdings mit dem Wohnmobil unterwegs, sodass für uns gilt, dass Wege nicht verlassen werden dürfen. Aus diesem Grund haben wir ausschließlich auf kleinen Parkplätzen übernachtet. Diese findet man besonders häufig an öffentlichen Bade- und Angelstellen. Hier stellt die dazugehörige Kommune meist sogar noch Trockentoiletten und Abfalleimer bereit. Der morgendliche Sprung in den kalten See gehört bei so einem kostenlosen Stellplatz in der Natur natürlich dazu. Außerdem musste für mich mindestens einmal im Urlaub Stockbrot am Lagerfeuer gemacht werden. Kindheitserinnerungen inklusive! Extra Grill- und Feuerstellen gab es auf manchen Badeplätzen nämlich noch zusätzlich. Nur eine Kanutour haben wir verpasst, aber es braucht ja immer einen Grund, um wieder nach Schweden zu fahren.

Für die Stellplatzsuche kann ich euch die beiden Plattformen Park4Night sowie Campercontact empfehlen. Alle vier Tage haben wir dann eine Versorgungsstelle oder einen Campingplatz aufgesucht, um unser Frischwasser aufzufüllen sowie die Toilette zu entlehren. Diese haben wir über einen ADAC Campingführer gefunden, aber auch mithilfe von Ecosia oder Maps lassen sich tolle Übernachtungsmöglichkeiten finden.

Die perfekte Reisezeit

Die Hauptsaison in Schweden ist von Juni bis Ende August. In dieser Zeit überzeugt das Land im Süden mit sommerlichen Temperaturen. Die Kehrseite davon sind allerdings volle Campingplätze. Wir waren den kompletten September über in Schweden und hatten absolutes Glück mit dem Wetter, was nicht immer so sein muss. Bei Temperaturen zwischen 13 und 22 Grad tagsüber konnten wir wunderbar Rad fahren und wandern. Die drei kalten Regentage genossen wir mit Tee und einem guten Buch. Abseits der Hauptsaison passiert es nicht nur, dass man die meisten Stellplätze ganz für sich alleine hat, sondern auch, dass man mal vor den verschlossenen Toren eines Campingplatzes steht, der kurzerhand schon zu hat. Blöd, wenn man dringend Wäsche waschen muss…

Von Blaubeeren und Pilzen

Im Wald bei Växjö war ich dann plötzlich umgeben von Blaubeeren. Dabei hatte ich gedacht, dass ich so spät im September eh keine mehr finden würde. Einen Blaubeerkamm, wie die Schweden ihn zum schnellen Sammeln nutzen, besaß ich zwar nicht, aber trotzdem füllte ich innerhalb einer Stunde eine große Schüssel voll Beeren. Die gab es dann pur, als Kompott und in Kombination mit veganen Pfannkuchen. Am Ende waren übrigens nicht nur meine Hände lila, sondern hatte auch meinen Wanderschuhen ein paar neue Blaubeerflecken geschenkt.

Außerdem sehr gut sammeln lassen sich Brombeeren und Himbeeren, sowie Hagebutten. Wir konzentrierten uns dann allerdings eher auf die Pilze. Insbesondere in der Region zwischen Linköping und Vimmerby nahm die Anzahl an Steinpilzen exponentiell zu, sodass wir schon nur noch die schönsten Pilze sammelten. Einige fädelten wir zum Trocknen auf eine Schnur und hängten sie im Wohnmobil auf. So fuhren wir dann noch ganze zwei Wochen durchs Land und bekamen den Pilzgeruch dabei nie ganz aus der Nase. Wieder zuhause freuen wir uns aber umso mehr über unsere getrockneten Andenken an Schwedens Wälder.

Schwedens Sonneninsel Öland

Als Überraschung des Urlaubes stellte sich die Insel Öland heraus. Erst gar nicht wirklich bei der Urlaubsplanung bedacht, erkundeten wir am Ende ganze 5 Tage den Norden der Insel und wissen jetzt schon, dass wir uns irgendwann auch nochmal Zeit für den Süden der Insel nehmen wollen. Besonders fasziniert haben mich die vielen Holzwindmühlen. Im 19. Jahrhundert dienten sie dem Eigenbedarf der einzelnen Bauernhöfe, sodass es auf der Insel fast 2000 Stück gab. Heute sind nur noch rund 400 Mühlen erhalten, aber werden nicht mehr benutzt.

Zum Wandern laden mehrere Naturreservat und Vogelschutzgebiete ein. Die meisten davon entpuppen sich als riesige Kuhwiesen mit altem Eichenbestand. Die Strecken sind wunderbar beschildert und einige alte Geschichten über die Fischer der Insel kann man vor Ort sogar auf Deutsch nachlesen. Die schönsten Wege fanden wir an der Inselspitze im Schutzgebiet Böda. Von dort aus hat man auch einen tollen Blick auf den berühmten Leuchtturm Långe Erik.

Strände gibt es auf Öland übrigens auch genug. Diese reichen von kleinen feinen Sandstränden, die zu dieser Jahreszeit wie ausgestorben waren, bis zu Felsklippen und Steinstrand.

In Schweden einkaufen

Lebensmittel

Unverpackt einkaufen lässt es sich in Schweden vor allem in den Großstädten wie Stockholm oder Malmö. Den Laden Gram in Malmö habe ich vor einigen Jahren besucht, aber so richtig überzeugt hatte er mich nicht. Auch im kleinen Städtchen Gränna befindet sich im kleinen Laden Mellins Extraknäcke eine Unverpacktabteilen mit trockenen Lebensmitteln. Dazu gibt es in der Stadt Süßigkeiten über Süßigkeiten, denn Gränna ist die Stadt der Zuckerstangen.

Für den Wocheneinkauf fuhren wir eher zu einem Coop oder kauften direkt beim Bauern ein. Insbesondere an der West- und Ostküste, aber auch auf Öland befinden sich an kleinen Straßen immer wieder Schilder, die auf Direktvermarktung hinweisen. So gibt es dort dann Honung (Honig), Eco Grönsaker (Biogemüse) und im September besonders viel Pumpor (Kürbis) sowie Potatis (Kartoffeln) zu kaufen.

Loppis (Flohmarkt)

Loppis bezeichnen in Schweden die Second Hand und Flohmärkte. In Kombination mit einem Schild für öppet (geöffnet), war dies meine liebste Kombination. Die Schilder befanden insbesondere samstags und verstärkt im Sommer am Straßenrand. Ein kleiner Weg führte dann nicht selten zu einem kleinen Garagenflohmarkt auf einem Bauernhof. Es gibt aber auch Läden, die dauerhaft bzw. jedes Wochenende geöffnet haben.

Zwei besonders tolle Läden muss ich an dieser Stelle jetzt auch mal nennen: Der erste ist der City Knallen in Halmstadt (Skepparegatan 70). Hier gibt es neben Geschirr und Schallplatten viel Kleidung, Stoffe und auch einige Kochutensilien zu kaufen.

Noch deutlich größer und günstiger ist der Östregård Antik in Moheda (Ryd Östregård). Dieser ist sogar bei den Schweden so beliebt, dass sie an einem Samstag bereits 30 min vor Einlass vor dem Tor Schlange standen. Ich dachte, ich trau meinen Augen nicht. Gekauft habe ich hier eine gusseiserne Pfanne für umgerechnet 2,50€. Außerdem gibt es eine unglaublich große Auswahl an Kupfergeschirr und eine komplette Scheune voll mit altem Werkzeug. Dieser Laden war echt eine Schatzkiste und ich weiß jetzt auch, warum einige Schweden mit Anhänger kamen, um alte Stühle, Schränke und Tröge zu transportieren.

Ich habe mir vor Ort noch Stickgarn gekauft, welches mich dazu inspiriert hat weitere Stickbilder zu machen. Reisen sind einfach perfekt, um Häkeln oder Stricken zu lernen.

Handwerkskunst

Als besondere Urlaubsmitbringsel zähle ich nicht nur schwedisches Knäckebrot oder Blaubeermarmelade + Sirup, sondern auch regionale Handwerkskunst. Über Ateliers und Werkstätten informieren meist die Touristenbüros. Aber auch direkt bei Google Maps findet man einige Läden. Wir haben im Urlaub allerdings gelernt, dass man den Öffnungszeiten von Google Maps abseits der Saison nie zu 100% trauen kann. So standen wir mitten in einem kleinen Dorf vor einer Keramikwerkstatt, von der nicht ganz klar war, wann und ob der Laden eigentlich geöffnet hat. Ein netter älterer Herr erklärte uns dann auf schwedisch, dass er immer nur aufmacht, wenn er Lust hat. Anscheinend hatte er jetzt gerade Lust, denn er verkaufte uns eine schöne Teetasse, nachdem wir eine halbe Stunde im Garten auf ein funktionierendes Kartenlesegerät warten musste. An dieser Stelle der Tipp, dass man unterwegs mehr als nur 50 Schwedische Kronen, die umgerechnet gerade mal 5€ wert sind, dabeihaben sollte.

Kleine und große Besucher

Die Natur in Schweden ist einzigartig und so auch ihre Tierwelt. Der Elch als Nationaltier ist dabei überall präsent. Sei es auf Postkarten, in Tierparks oder idealerweise in der freien Natur. Wir hatten Glück diesen Urlaub gleich zwei kleine Elchbekanntschaften zu machen. Der erste rannte beim Pilzesammeln vor uns davon und zeigte noch sein stolzes Geweih. Vom zweiten Elch bekamen wir nur den Po zu sehen. Dafür hörten wir ihn in der Nacht sehr laut röhren.

Zutraulicher war da schon ein Hermelin, welches uns und unser Wohnmobil für sehr interessant hielt. Vorsichtig kam es immer weiter zu uns rangetappt, aber entschied sich am Ende doch dafür lieber weiter im Wasser zu toben.

Auf Kuschelkurs gingen dafür im Dorf Stensjö zwei kleine Katzen. Stensjö erinnert mit den vielen roten Bauernhäusern ein bisschen ans Bullbü aus Astrid Lindgrens Büchern. Das kleine Dorf im Småland hat allerdings seine ganz eigenen Besonderheiten. Es gilt als Kulturdenkmal und wurde nach seinem Verfall vor vielen Jahren mühsam wiederhergerichtet. Früher in Besitz einer bäuerlichen Großfamilie, wird es jetzt von einer Stiftung unterhalten. Eine Familie widmet sich der ökologischen Landwirtschaft und kümmert sich um die Gebäude, Tiere und Weiden. Die Tore sind für Besucher geöffnet und Wanderwege sowie ein kleiner Museeumsraum laden ein mehr über das Landleben zu lernen. Die kleinen Katzen haben dabei unseren Aufenthalt auf besondere Weise versüßt. 

Quellen:

6 Replies to “Mit dem Wohnmobil durch Südschweden

  1. Vielen Dank für den schönen Reisebericht und die Tipps für Secondhand! Ich bin in Schweden auch sehr gerne in den Geschäften von Erikshjälpen. Die Einnahmen gehen an soziale Projekte und die Läden gibt es in jedem größeren Ort.

  2. Wie schön der Bericht doch gerade ist! Ich habe 2015 die gleiche Tour gemacht, aber mit Zelt und Auto! Ich war auch schon mehrfach auf Öland und kann den Süden wirklich wärmstens empfehlen! Ich hatte gerade viele schöne Flashbacks! An vielen Orten die du genannt hast war ich auch damals, schön! Vielen Dank dafür 💙💛💙

    1. Sehr gern!! Schweden ist einfach ein traumhaftes Land und ich freue mich schon darauf in einigen Jahren den Süden von Öland zu entdecken.
      Liebe Grüße
      Tati

  3. Sehr schöner Bericht und danke für den Tipp mit Östregårds antik. Ich hab direkt mal geschaut wo der genua liegt und fest gestellt, dass ein Freund von mir gerade mal 25km entfernt wohnt. Jetzt weiß ich wozu ich ihn das nächste Mal überrede 😀

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