Fairer Schmuck

Über die Konflikte und Auswirkungen der Förderung von Edelmetallen machen wir uns beim Kauf eines Schmuckstückes kaum Gedanken. Sollten wir aber, denn jedes Schmuckstück kann eine ganz eigene Geschichte erzählen. Eine Geschichte über die Arbeit des Goldschmiedes, aber auch der Mienenarbeiter oder der Goldschürfer. Und die Moral der Geschichte? Die lautet wohl: Es ist nicht alles Gold, was glänzt, denn die Probleme sieht man beim näheren Hinschauen sehr genau!

Goldförderung

Die derzeit weit verbreitete Methode zur Goldförderung ist der Tagebau. Dafür werden erst mehrere Schichten Gestein abgetragen, bevor die goldhaltigen Bodenschichten erreicht werden. Diese werden anschließend abgetragen oder abgesprengt. Das Verrückte daran ist, dass dieses Vorgehen selbst dann noch lohnenswert ist, wenn in einer Tonne Gestein nur ein Anteil von ein oder zwei Gramm Gold enthalten ist.

Für die Herstellung eines Goldringes werden durchschnittlich zwanzig Tonnen Erde und Gestein bewegt!

Doch das Verschieben der Bodenmassen und der damit verbundene Flächenverlust, der zu Umsiedlungen ganzer Dörfer führt, ist nicht das einzige Problem, denn nach dem Abtrag, wird oftmals Cyanid zur Trennung des Goldes von dem übrigen Gestein eingesetzt. Dabei führen selbst kleinste Rückstände zu einer großen Umweltverschmutzung.

Eine weitere Möglichkeit zur Goldförderung ist die Kleinschürfung. Beim Schürfen wird mit Wasser der feine Goldstaub aus Lockergestein herausgewaschen. Mit der leicht romantischen Vorstellung vom Goldschürfen im wilden Kanada aus einigen Abenteuerbüchern oder Filmen hat dies allerdings nichts mehr gemeinsam. Beim Schürfen wird für die Trennung des Goldes nämlich Quecksilber benutzt. Dieses verbindet sich mit dem Gold und wird anschließend durch Erhitzung verdampft. Dabei entstehen unglaublich gifte Gase, aber die werden für das übriggebliebene Gold gerne in Kauf genommen.

Silberförderung

Auch die Förderung von Silber ist alles andere als umweltfreundlich, denn Silber wird durch das Einschmelzen von Erzen gewonnen, aus denen primär Blei, Zink, Kupfer oder Gold gewonnen werden sollen. Bei der Trennung von zum Beispiel Blei mithilfe des Erhitzens und Einleiten eines Luftstroms, verbindet sich das Blei mit dem Sauerstoff der Luft zu Bleioxid und verdampft. Ohne Filteranlagen kann dies zu erheblichen Umweltbelastungen führen.

Leider lässt sich nicht nur der Raubbau an der Natur feststellen, sondern auch die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Der Abbau in den Mienen erfolgt oft illegal, sodass neben gesundheitsschädlichen Arbeiten, auch geringe Löhne und Kinderarbeit zum Tagesgeschäft gehören. Dazu kommt, das überwiegend in Afrika wie zum Beispiel in der Republik Kongo die Förderung der Konfliktrohstoffe lokale Rebellengruppen und den Krieg unterstützt.

„Konfliktressourcen sind natürliche Ressourcen, deren systematische Ausbeutung und Handel im Kontext eines Konfliktes zu schwersten Menschenrechtsverletzungen, Verletzungen des humanitären Völkerrechts oder Verwirklichung völkerstrafrechtlicher Tatbestände führen kann.“

– International Center for Conversion

Für mehr Nachhaltigkeit:

Um es kurz zu machen: Die Förderung der begehrten Edelmetalle ist wirklich eine große Ausbeutung von Mensch und Natur und dabei brauchen wir Gold oder Silber nicht nur für eine neue Halskette oder den Ehering, sondern auch in der Medizin oder in der Elektrobranche. Allein unser Smartphone enthält laut dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW 305 mg Silber und 30 mg Gold. Dazu kommen Kupfer, Eisen, Aluminium, sehr kleine Mengen Palladium und Platin, Kobalt, Gallium, Indium, Niob, Wolfram… Das Theme ist also riesig und dabei kratze ich mit meinem Artikel gerade mal an der Oberfläche der Probleme und Auswirkungen. Deshalb ist es umso trauriger, dass so wenig darüber gesprochen oder geschrieben wird.

Vorhandene Ressourcen nutzen

Eine Möglichkeit den Hunger nach den begehrten Rohstoffen nicht noch weiter zu steigern ist die Nutzung von schon vorhandenen Ressourcen. So findet man Schmuckstücke auch auf dem Flohmarkt oder alte Stücke im Antiquitätengeschäft. Gebrauchten Modeschmuck oder Modelle von bekannten Marken findet man auf Kleiderkreisel oder EbayKleinanzeigen. Eine weitere Alternative ist die Nutzung von Altgold. So kann man eigenes Gold einschmelzen lassen, um dann daraus neue Werke wie Ketten oder Ringe entstehen zu lassen. Einige Goldschmiede verarbeiten auch nur recycelte Materialien und sorgen dafür, dass weder Mensch noch Umwelt weiter leiden.

Pro Jahr werden ca. 2.500t Gold gefördert, davon werden rund 60% zur Schmuckherstellung verwendet. Der Großteil stammt aus China, Südafrika, den USA und Australien. 

Faires Gold und Silber

Da allein mit dem Recycling von Edelmetallen die steigende Nachfrage nach diesen nicht gedeckt werden kann, muss auch an einer nachhaltigeren Förderung der Edelmetalle gearbeitet werden. Das Fairtrade Siegel zum Beispiel garantiert für den kleingewerblichen Goldbergbaus einen Mindestpreis, einen strengen Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Umweltschutz. Darüber hinaus zeichnet das Siegel auch die komplette Wertschöpfungskette bis zum Goldschmied aus. Daneben gibt es noch weitere Organisationen, die einen nachhaltigen Abbau der Edelmetalle fördern und zertifizieren wie der Responsible Jewelery Council.

Eine kleine Auswahl an fairen Marken

Quellen:
Quelle 1: Neukirchen, F. (2014) Die Welt der Rohstoffe.
Quelle 2: SÜDWIND e.V. (2010) Schmuck – Liebesbeweis, Broterwerb und Ausbeutung. Qelle 3: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (2012) Fachbericht: Recycling kritischer Rohstoffe aus Elektronik-Altgeräten.
Quelle 4: Fairtrade
Quelle 5: Umweltbundesamt

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