Langlebige Unterhaltungselektronik

Jeden Tag in unserem Leben sind wir von Technik umgeben. Morgens beim Aufstehen trällert das Radio, wir schreiben Nachrichten über unser Smartphone und sitzen auf Arbeit vor einem Computer. Wie jedoch kann man diesen Umstand so nachhaltig wie möglich gestalten, um den eigenen ökologischen Fußabdruck gering zu halten? Der folgende Artikel soll einige Anhaltspunkte bieten, wie man den Kauf und Umgang insbesondere von Unterhaltungselektronik besser gestalten kann.

Dieser Gastartikel stammt von meinem Freund, der als Elektroingenieur über das notwenige Expertenwissen verfügt und bei uns zuhause dafür sorgt, dass mein Computer und (noch viel wichtiger) auch dieser Blog läuft.

Kriterien für nachhaltige Technik

Langlebigkeit:

Jedes Produkt, welches nicht nach kurzer Zeit defekt ist oder obsolet wird, ist nachhaltiger als ein Wegwerfprodukt. Dies gilt nicht nur im Bereich der Mode (Stichwort Fast-Fashion), sondern auch im Bereich der Unterhaltungselektronik. Um die Langlebigkeit eines Produkts zu bewerten, kann der erste Schritt ein Blick auf Produktbewertungen im Internet sein. Oft stellt man bereits dadurch fest, wie haltbar oder robust ein Gerät ist.

Heutzutage außerdem ein wichtiger Faktor: Lässt sich das Gerät auch ohne Cloud- oder Internetzugang nutzen, zumindest die wichtigsten Funktionen? Viele der “smarten” Lautsprecher beispielsweise funktionieren nur mit einem Account beim Hersteller. Hier sollte man hellhörig werden: Für wie lang garantiert dieser die Funktion? Nicht wenigen Nutzern eines Herstellers für Multiroom-Lautsprecher ist es vor etwa einem Jahr so ergangen: Sie haben einen voll funktionsfähigen, technisch einwandfreien Lautsprecher privat weiterverkauft, der Käufer jedoch konnte den Lautsprecher nicht mehr aktivieren, weil der Hersteller die entsprechende Funktion für die alte Generation der Geräte deaktiviert hatte. Man besaß dann also einen teuren Buchbeschwerer, der durch seine deaktivierte Software unbenutzbar wurde – geplante Obsoleszenz und ein perfektes Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte. Viele Smartphones haben derzeit ein ähnliches Problem. Nur wenige große Hersteller versorgen die Geräte lang genug mit Sicherheits- und Funktionsupdates, damit diese länger als 2 oder 3 Jahre genutzt werden können. Einen guten Ansatz verfolgt beispielweise die Firma Fairphone mit Ihrem reparierbaren Smartphone, für welches der Hersteller 5 Jahre Updates garantiert – mehr als das Doppelte gegenüber dem, was Samsung, Apple und Co bieten.

Reparierbarkeit:

Hat man sich für ein neues Stück Technik entschieden, sollte man vor dem Kauf noch einmal die Seiten von iFixit besuchen. Zu beinahe jedem Produkt der modernen Welt gibt einen “Reparierbarkeits-Index”, wie hier am Beispiel des iPhone 12 / 12 Pro. Je höher der Wert auf der Skala, desto sicherer kann man sein, dass ein eventueller Defekt nicht in einem Totalausfall endet.

Screenshot von iFixit

Wer sich in dem Bereich noch weiter umsehen und noch mehr Kriterien für die Langlebigkeit im Detail kennen lernen möchte, der sei auf das Hintergrundpapier von Josephine Valeske und Antonia Reichwein verwiesen. Bei allen Elektroartikeln kann man darauf achten, dass die Geräte mit üblichen Schraubendrehern zu öffnen sind. Dies erleichtert die Reparatur in einem Reparaturcafé oder bei einem unabhängigen Elektroniker maßgeblich. So passierte es mir beispielsweise, dass bei meinen ohrumschließenden Kopfhören das Kabel der Zuleitung brach. Die Ohrmuscheln waren verschraubt – ein neues Kabel konnte einfach angelötet werden, die Kopfhörer waren gerettet. Viele preiswerte Produkte jedoch neigen zu Klips-Verschlüssen oder schlimmer noch zu Verklebungen. Da ist die Change überhaupt ins Innere vorzudringen, ohne weitere Schäden anzurichten, gleich Null.

Grundregel für das Reparieren sollte jedoch immer sein: Wenn gefährliche Spannungen auftreten können, oder man sich nicht zu einhundert Prozent sicher ist, was man da gerade tut, dann sollte man die Reparatur einem Techniker überlassen. Ein elektrischer Schlag ist jenseits der Kleinspannung immer lebensbedrohlich.

Neu oder gebraucht kaufen

Für den Kauf von Kleinelektronik möchte ich vor allem auf Firmen wie refurbed, GreenPanda und AfB gemeinnützige GmbH verweisen. Diese bieten vom PC, über Notebooks, Tablets und Smartphones bis hin zum Drucker alles gebraucht und überarbeitet an. Wichtig dabei ist, dass die gebrauchten Produkte eine Garantie von mindestens 12 Monaten erhalten, die sich zumeist auf bis zu drei Jahre erweitern lässt. Damit stehen die aufgearbeiteten und geprüften Geräte auf einer Stufe mit Neuware – müssen aber nicht extra produziert werden, was den eigenen CO2-Fußabdruck senkt.

Nachhaltige Neuware zu finden, gestaltet sich schwierig. Um zumindest eine Richtung zu finden, welche Hersteller aus Sicht von eingesetzter Energie, Ressourcen und Chemikalien zu befürworten sind, kann das Factsheet von Greenpeace herangezogen werden. Darin werden nach den oben genannten Kriterien 17 Unternehmen und Hersteller klassifiziert und erhalten am Ende Bewertungen von A bis F, wie man sie aus dem US-amerikanischen Schulsystem kennt. Besser als “B” war leider kein Unternehmen im Jahre 2017 – auch nicht die Firma Fairphone. Ich persönlich habe im betrieblichem Umfeld sehr positive Erfahrungen mit den Computern der Firma DELL gemacht, insbesondere was die Reparierbarkeit angeht. Die meisten Geräte, in meinem speziellem Fall PCs, lassen sich mit einer Schraube öffnen und sind intern modular aufgebaut, sodass sie ohne Mühe repariert oder geupgraded werden können, um Gehäuse und Hauptplatine weiterzuverwenden. Ähnliche Lösungen bieten auch Hersteller wie HP und Lenovo. Käufern von PCs, Laptops und Tablets dieser Marken kann ich die Verlängerung der Garantiezeit empfehlen.

Fazit

Abschließend möchte ich jedem ans Herz legen vor dem Kauf eines neuen technischen Gerätes noch einmal nachzudenken: Ist eine Neuanschaffung wirklich nötig oder ließe sich das alte Gerät nicht vielleicht reparieren? Warum hat mein altes Gerät nicht lang gehalten und wie könnte das mit einem neuen Produkt das nächste Mal besser funktionieren? Wenn man diese Punkte durchdenkt und die Hilfestellungen aus dem obrigen Artikel beachtet, kann der notwendige Kauf der Umwelt weniger wehtun, als ein reflexartiger Neukauf.

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