Stadtklima: Versiegelte Böden und notwendige Grünflächen

Der vergangene Sommer war in Deutschland neben den Jahren 2003 und 2018 einer der heißesten Sommer seit Beginn deren Wetteraufzeichnungen. Dabei stiegen laut dem Deutschen Wetterdienst nicht nur die Extremtemperaturen, sondern auch die Anzahl derer. Im Jahr 1951 lag das Mittel für Hitzetage über 30 Grad bei rund drei Hitzetagen pro Jahr. Im Jahr 2018 waren wir bereits bei durchschnittlichen zehn Hitzetagen. Dazu kommen die abnehmenden Eistage von über 40% seit 1951 und die immer weniger werdenden Tage mit Schnee. Über die Jahre gesehen ist so ein Anstieg der mittleren Lufttemperatur um 1,5 Grad seit 1881 nachzuweisen. Dies sind allerdings nicht die einzigen Fakten, die für einen spürbaren Klimawandel in Deutschland sprechen. So lässt sich neben einem Anstieg des Meeresspiegels auch ein Anstieg an Starkregenereignissen verzeichnen.

Mir machen diese Fakten ehrlich gesagt etwas Angst, habe ich den Extremsommer mit einer Wohnung im Zentrum von Hannover im letzten Jahr doch deutlich zu spüren bekommen. Dabei könnte man mit einigen stadtplanerischen Veränderungen die Extremwerte insbesondere in der Stadt doch deutlich mindern. Die verdichteten Stadträume sind im Gegensatz zum weitläufigen Land besonders anfällig für hohe Temperaturen. Im Sommer hat man in der Stadt dabei regelrecht das Gefühl, dass die Luft in den Straßen steht.

Schuld daran sind die dichten und hohen Bebauungen.

Es fehlt eindeutig frische kühle Luft, die aufgrund fehlender Frischluftschneisen und Freiflächen nicht ins Zentrum weht. Auch die vielen Abgase verbessern die Situation nicht, sodass sich über die Stadtzentren eine Dunstglocke legt.

Die Bedeutung des Bodens

Eine Schlüsselrolle bei der Klimaerwärmung spielt wie immer unser Boden. Denkt man bei dem Wort Boden an feuchte Erde voller Regenwürmer, so ist das Stadtbild doch eher von versiegelten Flächen geprägt. Die obersten Bodenschichten in der Stadt bestehen meist aus einer dicken schwarzen Betonschicht oder zumindest aus roten Pflastersteinen und das hat weitrechende Folgen. Der dunkle Boden heizt sich nämlich bei Hitze sehr stark auf. Grund dafür ist, dass der schwarzgraue Asphalt im Gegensatz zu hellen Oberflächen wie zum Beispiel Schnee kaum Strahlung reflektiert. Stattdessen werden fast 80-90% der Strahlung absorbiert.

Hinzu kommt, dass das Regenwasser auf dem asphaltierten Boden nicht versickern kann und so der Regenwasserabfluss in die Kanalisation abgeführt werden. Dadurch bleibt der Stadt der kühlende Effekt durch die Verdunstung des Wassers verwehrt.

Wo sind die Grünflächen?

Wäre das Stadtbild von unzähligen Bäumen und Grünflächen geprägt, so würden die Pflanzen durch die Verdunstung von Wasser an den Blättern die Luft abkühlen.

So bewirken bereits 6 Bäume in einer 500m langen und 10 m breiten Straßenschlucht, dass bei Sommertemperaturen von 35 Grad die Lufttemperatur um 5 Grad gesenkt wird.

– Guido Halbig, Deutscher Wetterdienst

Auch Wasserflächen für eine vermehrte Verdunstung fehlen. So sind die deutschen Städte viel zu naturarm. Schuld daran ist die zunehmende Verdichtung der letzten Jahre, der immer mehr (Kleinst-)Grünflächen zum Opfer gefallen sind. Dabei sind auch diese kleinräumigen Grünflächen fürs Stadtklima von Bedeutung!

Notwendige Maßnahmen

Mit der Frage wie man die Städte bestmöglich an den Klimawandel anpassen kann, habe ich mich bereits im Studium beschäftigt. Dabei zeigen wissenschaftliche Untersuchungen wie wichtig eine Dach- sowie Fassadenbegrünung aufgrund des großen Flächenanteils in stark verdichteten Gebieten ist. Gründächer wirken sich auf den Wärmeschutz von Dachkonstruktionen aus und sorgen somit dafür, dass im Winter weniger geheizt werden muss. Gleichzeitig heizt sich das Dach im Sommer weniger stark auf, da die Beschattung durch Vegetation und Bodenschicht den Strahlungsübertragung auf das Dach mindert und die Verdunstungskälte der Vegetation zusätzlich wirkt. Gründächer bieten Tieren und Pflanzen einen natürlichen Lebensrum in der Stadt und binden dabei zum Beispiel Feinstaub, Smog und Schmermetalle aus der Luft. Darüber hinaus haben sie noch weitere positive Auswirkungen, wie die Bindung von CO².

Wer nicht die Möglichkeit hat gleich das komplette Dach zu begrünen, der sollte bei seinem eigenen Balkon anfangen. Zusätzlich lassen sich Vorgärten oder Innenhöfe in Absprache mit dem Vermieter zu kleinen grünen Oasen verwandeln. Wichig ist es einfach die vollkommende Versiegelung aufzubrechen. Dabei können als weiteres Beispiel auch Rasengittersteine helfen, die bei der Pflasterung von Parkplätzen Verwendung finden.

Besonders toll finde ich Urban Gardening Projekte, die zeigen, dass auch in einer Großstadt viel Platz für Natur ist. Ein zukunftsweisendes Konzept ist zum Beispiel die ANNALINDE in Leipzig. In vielen Städten kann man außerdem eine Patenschaft für ein Straßenbeet übernehmen.

Quellen:
Quelle 1: Deutscher Wetterdienst
Quelle 2: Monitoringbericht der Bundesregierung
Quelle 3: Ermittlung des Wärmeverhaltens von Gründächern. Abschlussbericht des Zentrums für umweltbewusstes Bauen e.V.
Quelle 4: Bundesamt für Naturschutz: Dach und Fassadenbegrünung

One Reply to “Stadtklima: Versiegelte Böden und notwendige Grünflächen”

  1. Ein ganz wichtiger Artikel! Ich lebe selbst in Hamburg, eine zugegebenermaßen noch überraschend grüne Großstadt. Aber auch hier kann man noch viel machen! Als leidenschaftliche Guerillagärtnerin verteile ich hier in Grünflächen meiner Umgebung gerne Seed bombs 😀

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