Buchreview: Lagom

Was hat ein schwedisches Buch mit Nachhaltigkeit zu tun? Mehr als man glaubt. Aber zuerst muss ich etwas weiter ausholen. Ich lerne in der Uni gerade Schwedisch. Darüber hinaus ist Schweden auch mein liebstes Reiseland. Das hat viele Gründe. Ich sammel unglaublich gerne Pilze, liebe die scheinbar unberührte Natur und kann stundenlang in schwedischen Second-Hand-Läden stöbern. Außerdem bin ich schwer verliebt in rote Holzhäuser. Für mich geht von Schweden einfach ein ganz besonderer Reiz aus. Schweden verbinde ich mit Natur. Da passt es gut in mein Bild, dass die Schweden als erstes Land ein Upcycling-Einkaufszentrum haben, viele Bürger ein Elektroautobesitzen und die Hälfte des Bruttoendenergieverbrauchs von erneuerbaren Energiequellen abgedeckt wird.

Und so entstand die Frage in meinem Kopf, warum die Schweden, denn in vielen Umweltdingen Spitzenreiter sind. Hierfür gibt es bestimmt viele verschiedene Antworten. Eine davon liefert das Buch Lagom – Die schwedische Art der Achtsamkeit von Göran Everdahl.

Lagom = nicht zu viel, und nicht zu wenig

Eine deutsches Wort für lagom gibt es nicht. Das Wort ist einfach etwas einzigartiges. Es beschreibt die bestimmte Menge, die eben nicht zu viel und nicht zu wenig ist. Dabei gibt es auch in der deutschen Sprache Wörter, die sich nicht so einfach übersetzen lassen. Weltschmerz wäre zum Beispiel so ein Wort.

Das Buch selber beinhaltet neun Kapitel. So werden anfangs die Geschichte von lagom erläutert sowie ein lagom Leben und die Einzigartigkeit. Das vierte Kapitel lautet lagom Essen gefolgt von lagom Design und lagom Umwelt. Die letzten drei Kapitel behandeln die lagom Mode, lagom glabal und das lagom Glück. Ganz schön viel lagom auf einmal.

In einem sind die Schweden aber nicht lagom, sondern maßlos und zwar beim Essen. Es kann Ihnen nicht genug Süßes sein. So ist das Geheimnis von lagom Keksen immer die doppelte Menge zu backen. Eine herrliche Weisheit wie ich finde. Passende Rezepte liefert das Buch übrigens gleich mit.

Lagom Umwelt

Das für mich spannendste Kapital war aber lagom Unwelt. Wir Deutschen bezeichnen uns ja gerne als Recyclingweltmeister. Dabei recyceln wir nur gut 38% unseres Kunststoffes und verschicken den Rest zum Beispiel nach Malaysia oder verbrennen ihn.

Die Menge an wiederverwertetem Abfall in Schweden 2015: 99%

Das ist erst einmal eine so fantastische Zahl, dass ich sie nicht glauben wollte. Aus diesem Grund habe ich etwas nachgeforscht und online tatsächlich identische Zahlen gefunden. Respekt.

Die Schweden sind nicht nur ein großer Fan von Mülltrennung, sondern auch anscheinend sehr gewissenhaften Umgang mit der Natur. So gibt es in Schweden zum Beispiel das Jedermannsrecht. Die Möglichkeit fremde Grundstücke zu betreten oder sogar einfach in der freien Natur zu Campen beruht auf dem Respekt für die Natur. Der produzierte Müll wird nach dem Picknick im Wald wieder mitgenommen und übriggebliebene Asche vom Grillen entsorgt.

Wir wollen Mutter Erde keine zu großen Lasten auferlegen.

Im Buch enthalten sind auf fünf kompakten Seiten Umwelttipps für zuhause, für den Garten sowie für Reisen. Außerdem werden Tipps für lagom (das war der Punkt wo ich das Wort nicht mehr lesen konnte) Umweltengagement gegeben und das Thema Recycling genauer erläutert. Von mir aus hätte das Kapitel ruhig noch einige Seiten länger sein können.

Danach folgte ein Kapitel rund um Mode. Schwedische Achtsamkeit und Mode? Auch das geht und zwar mit langlebiger Kleidung, die gut kombinierbar ist. So wie sie eine schwedische Modemarke in den 70er Jahren hergestellt hat, bevor dann H&M kam und alles billig machen musste. Denn H&M passt nicht so richtig in das Bild, auch wenn sie Zitat „auf das Nachhaltigkeitskarussel aufgesprungen“ sind. In meinen Augen ist dies reines Greenwashing und hat nichts mit Nachhaltigkeit oder lagom zu tun.

Und warum sind die Schweden jetzt so glücklich?

Wahrscheinlich liegt es nicht nur an der Achtsamkeit und der Naturverbundenheit. Auch der Frieden, die gute Versorgung und eindeutig auch der Anspruch auf viele gesetzlich festgelegten Urlaubstage beeinflussen das Leben der Menschen im Norden sehr.

Fazit:

Mir gefällt das Buch, weil mir Schweden gut gefällt. Für mich war es spannend mehr über das Land zu erfahren. Leider muss ich sagen, dass das Thema Achtsamkeit in Bezug auf die Umwelt oder auch das Miteinander noch stärker vertieft werden könnte. Somit gehört Lagom wohl zu den Büchern, die ich mir gerne mal in der Bibliothek oder Freunden ausleihen würde, aber nicht unbedingt im Bücherregal stehen haben muss.

Das Buch wurde mir freundlicher Weise kostenlos zur Verfügung gestellt (PR-Sample).

Quelle
Quelle 1; Quelle 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.